DER HUNGER DER WELT

Der Hunger verhindert die Schaffung einer friedlichen Gesellschaft. In einem Staat, in dem ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung unter der Furcht vor dem nächsten Tag leidet, lässt sich der soziale Friede, nur durch Repression aufrechterhalten. (…) Der Hunger schafft einen dauerhaften, wenn auch maskierten Kriegszustand (Ziegler 2012: 110).

»Die Hälfte der Brasilianer schläft nicht, weil sie Hunger hat, die andere Hälfte schläft nicht, weil sie Angst hat vor denen, die hungern.«

Josué de Castro

Hier schildere ich, wie es um die weltweite Mangelernährung bestellt ist. Ich beziehe mich dabei überwiegend auf den Schweizer Soziologen Jean Ziegler. Ziegler war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, 2012 erschien sein Buch Wir lassen sie verhungern [i]. Eine weitere Quelle ist eine Studie von Misereor: Wer ernährt die Welt? Die europäische Agrarpolitik und Hunger in Entwicklungsländern [ii].

»Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Und das auf einem Planeten, der grenzenlosen Überfluss produziert… In ihrem augenblicklichen Zustand könnte die Weltlandwirtschaft problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren, (…). Insofern ist die Situation alles andere als unabwendbar. Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet« (Ziegler 2012: 14-15). »Der Hunger ist mit Abstand der Hauptgrund für Tod und Verlust auf unserem Planeten. (…) Im Jahr sterben rund 70 Millionen Menschen, davon 18 Millionen durch Hunger und Unterernährung« (ebd.: 28-29).

Unsere Haustiere sind besser ernährt als die vielen Millionen Menschen, die an Hunger leiden.

Karte: Der Hunger der Welt

Hungerkarte der FAO (als PDF, 14 MB). Rot gekennzeichnete Länder liegen beim Millenium-Entwicklungsziel, den Hunger zu reduzieren, besonders weit zurück.

Nach Berechnungen der FAO sind 12 Prozent der Menschheit oder etwa jeder achte Mensch von Hunger betroffen, im Jahr 2013 waren es weltweit 842 Millionen Menschen: Das sind mehr Menschen als sämtliche Einwohner der EU, USA und Kanada zusammengenommen. Noch weiter verbreitet als Unterernährung sind Fehl- und Überernährung: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden knapp zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung aufgrund von Vitamin- und Mineralstoffmangel. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

ZDF-Online-Dokumentation: Hunger! Durst!
Eine Filmreise mit Claus Kleber zu den Brennpunkten des Hungers und der Wasserknappheit. Die Webdokumentation bietet ergänzende Informationen zu den wichtigsten Themen des Films.

Die Ursachen des Hungers

(1) Institutionen
(2) Konsum und Welthandel
(3) Finanzkrise
(4) Preisanstieg
(5) Nahrungsmittel als Spekulationsobjekte
(6) Die Politik der Nahrungsmittel- und Agrarkonzerne
(7) Die Strukturanpassungsprogramme des IWF
(8) Armut, Hunger und Flucht
(9) Literatur, Links und Weiterführendes

(1) Institutionen

Nach EU-Recht genormte Bananen

Schöne Bananen! Alle gleich, nach EU-Recht genormt.

Gesetze und Verordnungen legen genau fest, wie die Güter, die in die EU eingeführt werden, beschaffen sein müssen. So regelt beispielsweise die „EU-Bananenverordnung“ Mindestlänge und Durchmesser der Früchte. Die sozialen und ökologischen Umstände, unter denen die Güter produziert werden, sind hingegen nicht Gegenstand einer Einfuhrbestimmung. Das ist die real-existierende institutionelle Ordnung: genormte, hochwertige Konsumgüter bei völliger Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Herstellung.
Das sind also unsere nationalen und europäischen Interessen. Hier scheidet sich lebenswertes von unwertem Leben. Wir verzichten darauf Mindeststandards für die Arbeits- und Produktionsbedingungen festzulegen, oder diese wenigstens zu kennzeichnen. Auf jeder Zigarettenpackung wird inzwischen mit drastischen Bildern darauf hingewiesen, dass der Konsum gesundheitsschädlich ist. Auf keinem Sportschuh, Smartphone oder Hackbraten wird darauf hingewiesen, dass dieser Leben vernichtet oder elende Lebensumstände erzeugt hat.

Massenvernichtung durch Hunger
In diesem Blog-Beitrag schildere ich, wie institutionelle Mechanismen zu einer weltweiten Massenvernichtung durch Unterernährung führen. Wie funktionieren die sozialen Spielregeln, die zu millionenfachen Hungertod führen auf einem Planeten, der problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte?

Die Qualitäts-Standards von Lebensmitteln haben ihren Preis: Kleinerzeugern überall auf der Welt fällt es schwer, den Auflagen nachzukommen. Standards bei Lebensmitteln sind so zu einem globalen Herrschaftsinstrument entwickelter Länder geworden. Sie räumen unseren Konzernen und unserer Esskultur den Vorrang auf der Welt ein.

(2) Konsum und Welthandel

Mit unserem täglichen Konsumverhalten treiben wir den Vernichtungskreislauf an. Massenhafter Fleischkonsum, alle zwei Jahre ein neues Smartphone, hohe Renditen auf Kapital, spottbillige Kleidung, Versicherungspolicen usw. usf. Wir wissen das alles – und ändern nichts oder kaum etwas. Warum eigentlich?

Das sagt auch der Entwicklungsminister und CSU-Politiker Gerd Müller in einem bemerkenswerten Interview im RBB-Inforadio: „Wenn wir in der Früh aufstehen, trinken wir Kaffee aus Afrika. Wenn wir unser Handy bedienen, steckt Coltan aus einer Miene des Kongo darin. Unser Wohlstand in Europa und in Deutschland begründet sich zu einem ganz erheblichen Teil auf den wertvollen Ressourcen und deren Ausbeutung in afrikanischen Ländern. Wir zahlen dafür keine ordentlichen Preise, die Menschen können davon nicht leben. Und es ist schäbig, dass wir uns darüber keine Gedanken machen.“
„Ein Kakao-Bauer in der Elfenbeinküste verdient 50 Cent am Tag. Das heißt, wir sind nicht bereit existenzsichernde Preise, Löhne zu bezahlen für die Rohstoffe, die wir aus diesen Ländern beziehen. Und das nenne ich ‚Ausbeutung‘ – Ausbeutung der Menschen und Ausbeutung der Natur. Darauf bauen wir häufig unser Wohlstandsmodell auf.“
20% der Weltbevölkerung, die Menschen in den Industriestaaten verbrauchen 80% der Ressourcen. „Und nun ist die Frage, wie kann sich der Kontinent entwickeln, wenn wir ihm nicht die Entwicklungschancen bieten, nämlich über fairen Handel, nicht freien Handel, Ausbeutung der Rohstoffe, Ausbeutung, Korruption (…). Wir brauchen international eine sozial-ökologische Marktwirtschaft.“ (Auch die Tagesschau berichtete darüber.)

Wie Tomaten aus der EU afrikanische Bauern zu Flüchtlingen machen.
Warum die europäische Handelspolitik diesen Bauern schadet, versteht man, wenn man den Acker von Kojo Ebeneku verlässt und dem Weg der Tomaten folgt. Zu den Märkten und Straßenhändlern in Ghana, die keine heimischen Tomaten verkaufen, sondern Tomaten aus dem Ausland. Zu den riesigen Agrarkonzernen in Süditalien, die diese Tomaten produzieren und im großen Stil exportieren. Zu den Menschen, die diese Tomaten ernten. Am Ende wird man auf ghanaische Flüchtlinge treffen, die Tausende Kilometer weit gereist sind, die die Wüste durchquert und das Meer bezwungen haben, um in Europa genau dasselbe zu tun wie zu Hause: Tomaten zu pflücken. Dieselben Tomaten, die schließlich nach Afrika verschifft werden und dort die Preise drücken.

telepolis – Die Gier ist stärker als der Zweifel
Der Fleischatlas 2013 beleuchtet unseren Fleischkonsum und seine weltweiten Folgen

(3) Finanzkrise

Quelle: Misereor 2011

Bildquelle: Misereor 2011

Die Zahl der Weltbevölkerung stieg von 3,7 Milliarden Menschen im Jahr 1970 auf 6,7 Milliarden im Jahr 2010. In den Jahren 2006 bis 2009 wurden auf der ganzen Welt gute Getreideernten eingebracht. Dass die Zahl der Unterernährten trotzdem so heftig zugenommen hat, liegt an der Preisexplosion bei den Grundnahrungsmitteln und an der Finanzkrise (Ziegler 2012: 44-45).

Auch Westeuropa bleibt nicht verschont. Im Mai 2012 veröffentlichte die Unicef ihren Bericht über die Lage der Kinder in Spanien. Wegen der von Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgezwungenen Austeritätspolitik reduzierte die Regierung Rajoy massiv die Sozialleistungen für 9 Millionen extrem arme Familien. Das Resultat: 2011 waren in Spanien 2,2 Millionen Kleinkinder schwerst, permanent unterernährt (ebd.: 46).

Im Oktober 2008 versammelten sich die 17 Staats- und Regierungschefs der Eurozone im Elyséepalast in Paris. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy erklärten den Journalisten: »Wir haben gerade 1700 Milliarden Euro freigestellt, um den Interbankenkredit anzukurbeln und um die Eigenkapitalquote der Banken von 3 auf 5 Prozent zu heben.«
Noch vor Ende 2008 gingen die Hilfsgelder der Eurozone für die Nahrungsmittelsoforthilfe um fast die Hälfte zurück. Das Budget des World Food Programm sank von 6 auf 3,2 Milliar-den Dollar. Das WFP sah sich gezwungen, die Schulspeisungen in vielen Ländern einzustellen (Ziegler 2012: 181–182, 192-198).

Jean Ziegler – Festspielrede 2011: Der Aufstand des Gewissens

(4) Preisanstieg

Quelle: Misereor 2011

Quelle: Misereor 2011

 »Von Januar 2006 bis Juni 2008 hat sich der Preis für Reis verdreifacht, der für Mais und Soja um 150 Prozent erhöht und der für Weizen verdoppelt.« Die Ursachen sind unter anderem
– die gestiegene Nachfrage von Fleisch- und Milchprodukten,
– der verstärkte Anbau von Biokraftstoffen
– und der Aufkauf von Ackerboden als Wertanlage (Ziegler 2012: 281-294).

taz.de – Die Welt in einem Laib Brot
In den nächsten 20 Jahren wird der Brotpreis weltweit um 90 Prozent steigen, sagen die Experten. Ein Lehrstück über unser tägliches Grundnahrungsmittel.

(5) Nahrungsmittel als Spekulationsobjekte

Zweimal während der vier letzten Jahre haben die Spekulanten die Lebensmittelpreise in astronomische Höhen getrieben: 2008 und Anfang 2011. Der starke Preisauftrieb der Grundnahrungsmittel im Jahr 2008 hat »Hungeraufstände« ausgelöst, die 37 Staaten erschüttert haben. Unter ihrem Schock sind zwei Regierungen gestürzt worden, auf Haiti und Madagaskar. (…) (Ziegler 2012: 261)

Literaturempfehlung
Christoph Scherrer / Debdulal Saha (Hrsg.): The Food Crisis. Implications for Labor
Nahrungsmittel sind – spätestens seitdem sie zu einem an der Börse handelbaren Spekulationsobjekt avanciert sind – zu einem knappen Gut und damit auch zu einem massiven sozialen Problem geworden. Vor allem für die Produzenten ist ihre Herstellung kaum noch zu finanzieren. Der Sammelband versucht – zumeist anhand konkreter Fallbeispiele –, die Ursachen dieser Nahrungsmittelkrise ebenso zu benennen wie mögliche Lösungsoptionen aufzuzeigen.

Schuld. Die Barbarei Europas.
Das Zentrum für politische Schönheit spricht mit der Deutschen Bank über Nahrungsmittelspekulation. Nicht schon wieder Hunger. „Sie tun alle, was von ihnen verlangt wird“. Nur die nackte Barbarei unserer Privatheit.

(6) Die Politik der Nahrungsmittel- und Agrarkonzerne

Die Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, beschreibt, wie die Saatgutpolitik Monsantos indische Bauern massenhaft in den Selbstmord treibt:

Arte – Was Tun – Erddemokratie – Vandana Shiva
„Hohe Saatgutpreise, nicht keimfähige Saat und der höhere Pestizidverbrauch treiben die Bauern in die Schulden. Diese Schulden haben die Bauern aber nicht beim Staat, auch nicht bei den Banken, sondern bei den Agenten der Konzerne. Wenn diese Agenten kommen, um das Land zu konfiszieren, trinken viele Bauern hochgiftige Pestizide, um sich das Leben zu nehmen.
(…) 200.000 indische Bauern haben Selbstmord begangen. Wenn man eine Landkarte der Regionen erstellen würde, wo die Selbstmorde passieren, und ein zweite Landkarte, wo Monsanto sein BT-Coton verkauft, wären die beiden Karten identisch. Mit Saatgut könnte man die Selbstmorde innerhalb von einer Saison beenden, denn dort wo Selbstmorde vorkommen, gibt es keine Saat“ [iii].

FAZ.net – Wenn der Gott BASF heißt
Jedes Jahr trinken 20.000 indische Kleinbauern ihr Insektizid, um sich das Leben zu nehmen. Sie sind überschuldet. Jetzt hat BASF ein Training geschaffen, um den Bauern ertragreichen Anbau beizubringen. Doch das hilft nur Großbauern – und BASF selbst. Von Christoph Hein.

taz.de – Interview mit Vandana Shiva: „Die sind auf Lügen spezialisiert“
Über das Saatgutmonopol vom Gentech-Giganten Monsanto, Selbstmord von 250.000 indischen Bauern, Baumwoll-Monokulturen und agro-ökologischen Alternativen.

(7) Die Strukturanpassungsprogramme des IWF

Eine viel beachtete Studie von Oxfam hat gezeigt, dass jedes Strukturanpassungsprogramm, das der Internationale Währungsfond (IWF) in dem Jahrzehnt von 1990-2000 durchgeführt hat, Millionen Menschen dem Hunger ausgeliefert hat.

Der Grund ist einfach: Der IWF verwaltet die Auslandsschulden der 122 Staaten, die die sogenannte Dritte Welt bilden. Die beliefen sich 2012 auf über 2,1 Billionen Dollar. Um die Zinsen und Tilgungsraten ihrer Schulden bei den Gläubigerbanken und dem IWF bedienen zu können, brauchen die Schuldenländer Devisen. (…) (Ziegler 2012: 160-161)
In regelmäßigen Abständen räumt der IWF den überschuldeten Ländern ein befristetes Moratorium oder eine Refinanzierung ihrer Schulden ein. Unter der Bedingung, dass die überschuldeten Länder sich einem sogenannten Strukturanpassungsprogramm unterwerfen. Alle diese Programme zwingen die betroffenen Länder zu oft massiven Kürzungen der Ausgaben für Gesundheitswesen, Bildungssystem und Sozialleistungen – etwa Subventionen auf Grundnahrungsmittel und Unterstützung bedürftiger Familien.
Wo der IWF durchgreift, schrumpfen die Felder mit Maniok, Reis und Hirse. Die Subsistenzlandwirtschaft stirbt. Der IWF verlangt die Ausweitung von kolonialen Feldkulturen, deren Produkte – Baumwolle, Erdnüsse, Kaffee, Tee, Kakao – auf dem Weltmarkt abgesetzt werden können und die benötigten Devisen bringen (ebd.: 161-162).
Die zweite Aufgabe des IWF besteht darin, die Märkte der Länder des Südens für die privaten transkontinentalen Lebensmittelkonzerne zu öffnen (ebd.: 162).

Hier nur ein Beispiel von ganz vielen katastrophalen Geschichten:
Niger ist ein Land mit wiederkehrenden Hungersnöten. Trockenheit setzt Menschen und Tieren in regelmäßigen Abständen Unter- und Mangelernährung aus. Diesem Land hat der IWF die Auflösung der staatlichen Nahrungsreserven auferlegt, die sich auf 40.000 Tonnen Getreide beliefen. Diese Vorratslager (…) unterhielt der Staat, um in Notzeiten der Bevölkerung helfen zu können (ebd.: 56).

Doch die Afrika-Abteilung des IWF in Washington ist der Meinung, dass diese Vorratshaltung einen unzulässigen Eingriff in das Marktgeschehen darstelle. Mit einem Wort, dass der Getreidehandel nicht Sache des Staates sein dürfte, würde er doch das sakrosankte Dogma des Freihandels verletzen (ebd.: 57).

Bei der Bundeszentrale für politische Bidlung ist Folgendes zu lesen: „Analysen der Strukturanpassungsprogramme belegen in vielen Fällen eine Verschlechterung der Ernährungssituation und der bäuerlichen Einkommen. Viele der Probleme heute haben ihren Ursprung in den IWF- und Weltbank-Politiken.“ Als weitere Ursache nennt die Bundeszentrale internationale Freihandelsabkommen.

the guardian – IMF’s four steps to damnation
Berater des US-Präsidenten Bill Clinton und ehemaliger Weltbankchef Joseph Stiglitz kritisiert die Politik der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds.

der Freitag – Landflucht und Slums von Nick Dearden
Lagardes Mitgefühl. Die Kommentare der IWF-Chefin zu Griechenland haben dort für Aufregung gesorgt. Im Niger, dem ihr „Mitgefühl“ gilt, werden sie kaum besser aufgenommen worden sein.

Schweizer Jahrbuch für Entwicklungspolitik (1991) – IWF-Beitritt: Zementierung einer falschen Politik von Urs Hänsenberger

(8) Agrarsubventionen, Exportsubventionen und Einfuhrzölle der OECD-Staaten

2010 haben die OECD-Länder ihre Bauern mit 350 Milliarden Dollar unterstützt. Besonders die Exporthilfen sind für das Agrardumping verantwortlich, das von den reichen Ländern auf den Märkten der armen Ländern praktiziert wird. Der südlichen Hemisphäre hat das Not und Hunger gebracht  (Ziegler 2012: 211).

DRadio Kultur – Fleischindustrie Ausbau von Mastanlagen hat „keine Perspektive“
Felder in Afrika werden Mangelware, weil dort Soja und Mais für das Futter von Schweinen und Geflügel in Deutschland verwendet wird, und dann gehen die Reste – sage ich jetzt mal in Anführungszeichen – wieder nach Afrika zurück. Geht Globalisierung noch absurder?

(8) Armut, Hunger und Flucht

Der Hunger ist auch eine der wesentlichen Fluchtursachen. Das trifft auch auf die syrischen Flüchtlinge zu, die jetzt in großer Zahl in Europa ankommen. Viele von ihnen lebten zuvor als Flüchtlinge in den Anrainerstaaten Syriens, wo sie vom World Food Programm (WFP) der Vereinten Nationen versorgt werden.
2014 setzte der WFP ein Notruf ab, schreibt Thomas Gutschker für die FAZ. Es sei gezwungen, die Lebensmittelhilfe für 1,7 Millionen syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern einzustellen, hieß es in der Mitteilung Anfang Dezember. Da keine ausreichenden Mittel gezahlt wurden, musste das WFP seine Zahlung an Bedürftige immer weiter kürzen. Von zunächst 28 US Dollar pro Monat und Flüchtlingsfamilie gingen die Zahlungen auf 14 bzw. 7 Dollar zurück, für die 200.000 Flüchtlinge in Jordanien wurden sie ganz gestrichen.
„Für etliche wirkte es wie das letzte Signal zum Aufbruch – in zwei Richtungen. Arme Familien gingen zurück nach Syrien, zurück in den Bürgerkrieg. Sie hatten kein Geld für Schlepper (…). Wer noch genügend Ersparnisse zusammenkratzen konnte, um Schlepper zu bezahlen, versuchte dagegen sein Glück auf dem Weg nach Europa.“
FAZ: Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb

tagesschau.de: Der Hunger treibt Afghanen nach Europa
Zwei Millionen Afghanen sind auf Lebensmittel der UN angewiesen. Doch die Rationen werden immer weiter gekürzt – aus Geldmangel. UN-Mitarbeiter warnen: Das führt zur Flucht. Militärs gehen sogar noch weiter und sagen: „Not schafft neue Terroristen“.

(9) Literatur, Links und Weiterführendes

Der Hunger der Welt. Ein fatales Politikum.
Von Peter Cornelius Mayer-Tasch (Hg.). Die Autoren skizzieren eine Kultur- und Sozialgeschichte der Ernährung und beleuchten die sozioökonomischen und politischen Hintergründe des krassen Ungleichgewichts von Verschwendung und Hunger in der Welt. Die politikwissenschaftliche Beiträge analysieren den Welthandel und werfen einen Blick auf die globale Lebensmittelmanipulation großer Konzerne und deren Folgen. Darüber hinaus zeigen sie, wie nachhaltige Landwirtschaft und ein nachhaltiger Welthandel aussehen müssten.

Was sollen 10.000.000.000 Menschen essen?
Der Regisseur Valentin plädierst in seinem Film „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ für Biolandwirtschaft und kleine Bauernhöfe als Lösung für das Welthungerproblem. Im Interview für das Online-Magazin Krautreporter stellt er außerdem fest: „Zur Lösung des Welthungerproblems, das kann ich sagen, trägt die Gentechnik momentan nichts bei.“

Interview mit Jean Ziegler: „Ich bin ein weißer Neger“
Der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler über den Hunger in der Dritten Welt, seine Zeit als Chauffeur von Che Guevara.

„Wir lassen sie verhungern“ – Interview mit Jean Ziegler

Die falschen Gegner. Jean Ziegler analysiert die Ursachen des globalen Hungers – doch er macht es sich zu einfach. Eine Erwiderung vom ehemaligen CEO und heutigen Verwaltungsratschef von Nestle Peter Brabeck-Letmathe.

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[i] Ziegler, Jean (2012): Wir lassen sie verhungern. München: Bertelsmann

[ii] Reichert, Tobias (2011): Wer ernährt die Welt? Die europäische Agrarpolitik und Hunger in Entwicklungsländern. Herausgegeben vom Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.
–>PDF

[iii] Shiva, Vandana (2013): Was tun? – Ein Statement von Vandana Shiva. Ein engagiertes Plädoyer für eine Neuerfindung der Demokratie, für eine „Erddemokratie“.

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